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Wiesbaden Biebrich

Chronik des Zusammenwachsens

Uta Schmidt-von Rhein

Prähistorische Zeit

50.000 v. Chr.

Der Neandertaler durchstreift als Jäger unser Gebiet. Von ihm sind einfache Werkzeuge bekannt (Steinspitzen, Schaber sowie Knochen- und Steinklingen).

10.000 - 4.000 v. Chr.

Auf der Anhöhe, die später Biebrich und Wiesbaden verbindet (zwischen Mosbach- und Salzbachtal), finden sich erste Ansiedlungen des Homo Sapiens sapiens der Mittel-, Jungstein- und Bronzezeit. In den Gebieten Mühltal, Mainzer Straße, Südfriedhof, Waldstraße, Adolfshöhe (Henkellpark), Melonenberg (Nähe Hauptbahnhof), Gräselberg, an der Straße nach Dotzheim, am Hof Adamstal, im Kurhausbereich sowie in der Nähe der Herrenmühle (etwa Einmündung Herrnmühl-/Mühlgasse) zeugen Grabfunde sowie Wohn- und Kochgruben von der frühen Besiedlung unserer Gegend. Spuren von Pfahlbauten finden sich bei Biebrich, Schierstein und auf den Rheininseln. Grabbeigaben (unter anderem Tongefäße, Messerspitzen aus Feuerstein, Schleifsteine und Steinhämmer, später Werkzeuge und verschiedene Bronzegegenstände) weisen darauf hin, daß die Menschen an ein Weiterleben nach dem Tode glaubten. Die heilenden Wiesbadener Quellen werden zu dieser Zeit längst benutzt, davon zeugen Opfergaben an die Quellgottheiten.

um 400 v. Chr.

Kelten (von den Römern "Gallier" genannt) und Germanen hinterlassen bis in die Römerzeit vielfältige Spuren. Hals- und Armschmuck, Haushaltskeramik, Handwerkszeug, Pferdegeschirr und Waffen sind Fundstücke aus keltischen Siedlungen an der Biebricher Allee und in Schierstein. Aus den germanischen "Chatten" bildet sich der Stamm der "Mattiaker", von den später die Römer den ersten Namen für Wiesbaden "Aquis Mattiacis" ableiten.

Römerzeit

Um die Zeitenwende fassen die Römer im Wiesbadener/Biebricher Raum allmählich Fuß. Zahlreiche militärische Anlagen und viele Zeichen hoher Kultur geben Zeugnis:

10 v. Chr.

Das "Castellum Mattiacum", der heutige Stadtteil Kastel auf der rechten Rheinseite, wird unter Drusus erbaut.

15 n. Chr.

Bau einer Befestigungsanlage auf der Mainzer Rheinseite und einer Verteidugungsanlage auf dem Gelände des heutigen Mauritiusplatzes.

40 n. Chr.

Caligula läßt im Bereich des Mauritiusplatzes ein Kastell errichten. Es liegt zwischen Friedrichstraße, Hochstätter Straße, Kleine Schwalbacher Straße und Mauritiusplatz.

50 n. Chr.

Bei Plinius ist erstmals von "Aquis Mattiacis" die Rede.

Römische Gräber im Biebricher Bereich (Mühltal, an der Kurve, auf dem Heßler), Badehäuser am Kranzplatz, römische Villen an den südlichen Hängen Wiesbadens (z. B. Gräselberg), Inschriften und Skulpturen (Jupitersäule in Schierstein), Tempel der Quellgottheiten (aus Inschriften belegt), ein Heiligtum des persischen Gottes Mithras an der Coulinstraße sowie Schmuck- und Münzfunde sind bedeutende Hinterlassenschaften römischer Lebensart.

Römische Straßen sind beispielsweise von der Mainzer Festung am heutigen Friedhof vorbei zum Kastell Wiesbaden, sowie entlang dem Salzbach nachgewiesen. Eine Wasserleitung vom Erbenheimer Bach durch das Salzbachtal bis in die Gegend des heutigen Bahnhofs Biebrich und ein hier aufgefundenes Wasserreservoir mit Abzweigung nach Kastel und Biebrich zeugen von einer dichten Besiedlung. Römische Gutshöfe (villae rusticae), die man bei Biebrich, Schierstein, Dotzheim, im Rabengrund, bei den Herreneichen und im Goldsteintal fand, wurden an ausgediente Soldaten, die "Kolonen" (colonus=Bauer) vergeben. Es handelte sich um germanische Legionäre, die zuvor im römischen Heer gedient hatten.

83 n. Chr.

Wegen des Krieges gegen die Chatten baut Vespasian ein Erdlager auf dem Heidenberg (Gelände des ehemaligen Städtischen Krankenhauses, jetzt freie Kunstschule). Noch im selben Jahr ersetzt Domitian dieses Lager durch ein Steinkastell.

121 n. Chr.

Verstärkung des römischen Grenzwalls (Limes) unter Kaiser Hadrian.

Ende der Römerzeit und fränkische Landnahme

260 n. Chr.

Die römische Reichsgrenze bricht zusammen; die Rheingrenzen werden jedoch noch mehr als hundert Jahre gehalten. Alemannen und Franken stürmen vor. Keramische Funde an der Waldstraße.

um 369 n. Chr.

Errichtung der Heidenmauer unter Kaiser Valentian als zusätzlicher Schutz vor den anstürmenden Germanen. Sie verläuft auf einer Länge von 500m vom Heidenberg bis zum Chor der Marktkirche. Während des Mittelalters trennt sie den fränkischen Marktfleck mit seinem Burgbereich von dem römischen Quellengebiet. Noch 1863, mit dem Neubau der Synagoge und der Festlegung des Verlaufs der Coulinstraße, konnte man einen geschlossenen Mauerwall vom Schulberg bis fast an die Langgasse verfolgen.

400-600 n. Chr.

Die Franken erobern das Wiesbadener Gebiet. Am Platz der deutschen Einheit, an der Dotzheimer Straße und in Biebrich (Rheingaustraße, Hammermühle, Waldstraße) wurden fränkische Gräber entdeckt. In Wiesbaden entsteht, angelehnt an die Heidenmauer, eine fränkische Burgsiedlung.

Mittelalter

819

Der Gauname "Kunigessuntera" (Königssondergau) ist erstmals belegt. Ein Haupthof ("fiscus") mit einem höheren Beamten lag im heutigen Wiesbaden, Unterhöfe in Biebrich und Mosbach.

829

Einhard, der Biograph Karls des Großen, belegt erstmals den neuen Stadtnamen "Wisibada" im Zusammenhang mit der Burganlage ("castrum Wisibada") und löst damit die römischen Beeichnungen "Aquae Mattiacae" und "Aquis Mattiacis" ab.

874

Biebrich wird als "biburc" zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Es handelt sich um eine kurze Notiz in den Jahrbüchern von Fulda, der damaligen offiziellen Reichschronik.

991

Biebrich und Mosbach werden unter Otto III. dem Kloster Selz im Elsaß geschenkt. Erste urkundliche Erwähnung von Mosbach ("moskebach") in der Schenkungsurkunde.

1232

Wiesbaden wird zur Reichsstadt erhoben (Datum nicht gesichert).

1254-1273

Während des kaiserlichen Interregnums (Zeit zwischen den Stauferkönigen Konrad IV. (1250-54) und Rudolf I. (1273-91) begünstigen schwache, ausländische Scheinkönige die Ausbildung des Landesfürstentums. Wiesbaden wird von den Besitzern der Burg Sonnenberg, den Grafen von Nassau, als Stadt ihrer Landherrschaft einverleibt.

1275

Die Benediktiner des Klosters Selz übergeben die Güter Biebrich und Mosbach den Zisterziensern des Klosters Eberbach in Erbpacht.

1296

Ludwig von Sonnenberg, der Marschall und Statthalter König Adolfs von Nassau (1292-98), nimmt in dessen Auftrag die Grundsteinlegung des Klosters Klarenthal vor. König Adolf erwirbt Biebrich und Mosbach vom Kloster Selz und schenkt sie dem neu gegründeten Kloster Klarenthal.

Neuzeit

1559

Das Kloster Klarenthal wird aufgehoben. Die Säkularisation war schon 5 Jahre vorher erfolgt. Der "Herr" (Graf Phillipp) und somit die gesamte Herrschaft Wiesbaden waren zum lutherischen Glauben übergetreten. Die Güter Biebrich und Mosbach sowie alle Liegenschaften des Klosters gelangen in den Besitz des Grafenhauses Nassau.

1618-1648

Der 30jährige Krieg bedroht Wiesbaden, Biebrich und Mosbach mehrfach in ihrer Existenz. Die nassauischen Grafen Ludwig II. (1605-27) und Johann (1627-77) versuchen durch Neutralität das Schlimmste zu verhindern. Dennoch wird das Gebiet von durchziehenden Kriegstruppen immer wieder auf das Ärgste heimgesucht. Am Ende ist die Bevölkerung fast völlig ausgerottet oder geflohen, die Siedlungen (auch die Wiesbadener Badehäuser) sind weitgehend zerstört.

1702

Fürst Georg August aus dem Hause Nassau-Idstein (1677-1721) baut einen ersten Wohnsitz in Biebrich - die Stelle, an der seine Herrschaft an den Rhein stößt.

1707

Nach Erweiterung des Fürstensitzes wird die Residenz nach Biebrich verlegt (Sommerresidenz).

1744

Fürst Karl von Nassau-Usingen verlegt seine Regierung von Usingen nach Wiesbaden. Das Biebricher Schloß wird ganzjährige Residenz.

1749-52

Die Residenz in Biebrich und der Regierungssitz Wiesbaden werden durch den Bau der "Mosbacher Straße" (heutige Biebricher Allee) miteinander verbunden.

Zeit des Herzogtums Nassau

1806

Unter dem Einfluß Napoleons wird Fürst Friedrich August von Nassau-Usingen in den Stand eines Herzogs erhoben. Der Herzogstitel geht später an die Weilburger über. Die oberste Behörde der neuen Stadtverwaltung (Staatsministerium, Administrationskommission) wird in Wiesbaden eingerichtet.

1808

Die "Mosbacher Straße" (Biebricher Alle) wird als Chaussee ausgebaut.

1810

Einweihung des von Zais geplanten und gebauten "Alten" Kurhauses.

1812-1817

Zais entwirft und baut das Erbprinzenpalais in der Wilhelmstraße für den Weilburger Fürsten Friedrich Wilhelm und dessen Sohn, Erbprinz Wilhelm. Nach dem Aussterben der Usinger Linie des Hauses Nassau verlegt dieser 1817 seine Residenz von Weilburg nach Biebrich. Das Palais steht vorerst leer.

1837-41

Das neue Stadtschloß in Wiesbaden wird errichtet und von Herzog Adolf von Nassau bezogen. Das Schloß Biebrich wird wieder zur reinen Sommerresidenz.

1839-40

Die Bahnstrecke Frankfurt/Main - Wiesbaden wird gebaut, der Taunusbahnhof ist der erste der drei alten Wiesbadener Bahnhöfe. Biebrich wird durch eine Abzweigung am Bahnhof Curve (heute etwa Höhe Bahnhof Wiesbaden-Ost) angebunden. Endstation in Biebrich ist der Rheinbahnhof, nahe der heutigen Lutherstraße. 1856 wird die Verbindungslinie Mosbach - Curve dem Verkehr übergeben. Das Stationsgebäude Mosbach (heute Bahnhof Biebrich) stammt aus den Jahren 1860/61.

1856

Herzog Adolph erteilt die Genehmigung zur Eröffnung der Ausflugsgaststätte "Adolph's-Höhe" (Ecke Biebricher Allee/2. Ring). Dies bildet den Auftakt zur Bebauung der Adolfshöhe als Wohnviertel bis zum Ersten Weltkrieg. Die Kurstadt Wiesbaden und das sich zur Industriestadt entwickelnde Biebrich wachsen in dieser Zeit rasch aufeinander zu.

1866

Ende des Herzogtums Nassau, das nach dem verlorenen Krieg gegen Preußen annektiert wird. Die Kurstadt Wiesbaden wird jedoch auch von den neuen Machthabern gefördert. Stadtentwicklung und Kurwesen nehmen bis zum Ersten Weltkrieg einen ungeahnten Aufschwung

Jahrhundertwende

1882

Die Orte Biebrich und Mosbach schließen sich zur Stadt Biebrich-Mosbach zusammen. Der dominierenden Entwicklung Biebrichs entsprechend wird elf Jahre später der Name Mosbach aus der Stadtbezeichnung gestrichen

1889

Die Dampfstraßenbahn vom Biebricher Rheinufer über die Biebricher Allee zum Nerotal eröffnet ihren Betrieb. Sie wird im Jahr 1900 durch eine elektrische Straßenbahn abgelöst.

1889-1907

Biebrich erhält mehrere neue Bahnhöfe ("Chausseehaus" im Biebricher Wald, "Waldstraße" im Waldstraßengebiet und "Landesdenkmal" auf der Adolfshöhe) und damit Anschluß an die Strecke Wiesbaden- Bad Schwalbach.

1894 und 1897

Da sich die Adolfshöhe mittleweile zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt hat, werden zwei weitere Lokale, die "Rheinhöhe" (Ecke Donnersbergstraße/Biebricher Allee) und das Cafe "Rheinblick" (Ecke Rheinblickstraße/Biebricher Allee) eröffnet.

ab 1897

Die Adolfshöhe und das Waldstraßengebiet werden systematisch als neue Wohnviertel erschlossen. Den Auftakt auf der Adolfshöhe bildet 1897 der eröffnete Wasserturm, der die Wasserversorgung der entstehenden Villengebiete sicherstellen soll und auch zunächst als Aussichtsturm begehbar ist. Das Waldstraßenviertel wird zunächst in erster Linie durch die in den zahlreichen Ziegeleien tätigen Backsteinmachern bewohnt.

1904

Die Eisenbahnbrücke ("Kaiserbrücke") Kastel-Mainz wird fertiggestellt. Biebrich erhält über die Station Curve einen Eisenbahnanschluß nach Mainz.

1906

Nach langen Bauarbeiten, vor allem wegen der schwierigen Erdarbeiten im Salzbachtal, wird der neue Wiesbadener Hauptbahnhof fertiggestellt und am 15. November in Betrieb genommen.

1907

Die Biebricher Stadtverordnetenversammlung schließt einen Vertrag mit der Sektfirma Henkell aus Mainz bezüglich deren Umsiedlung nach Biebrich. Die Eröffnung der neuen Sektkellerei an der Biebricher Allee erfolgt 1909.

1909

Vier Jahre nach dem Tod des Herzogs Adolph von Nassau und Großherzogs von Luxemburg wird das Landesdenkmal mit seinem Standbild eingeweiht. Fertigstellung der Richard-Wagner-Anlagen (Henkellpark) im selben Jahr.

Die Diskussion um die Eingemeindung Biebrichs

1895

Der Biebricher Bürgermeister Rudolph Vogt bezeichnet die Eingemeindung Biebrichs als "wünschenswert". Der Vorschlag wird in den nächsten Jahren immer wieder an Wiesbaden herangatragen, das allerdings kein Interesse bekundet.

1910-12

Der neu gegründete "Bezirksverein Adolfshöhe" veröffentlicht im Dezember 1910 eine Denkschrift, die die Eingemeindung Biebrichs mit Nachdruck befürwortet und begründet. Der Regierungspräsident fordert beide Städte zur Stellungnahme auf, worauf sich Biebrich 1912 in einer ausführlichen Erwiderung der Position des Bezirksvereins anschließt. Der Biebricher Bürgermeister Rudolf Vogt führt in dieser Schrift dafür verschiedene Gründe an; beispielsweise habe Wiesbaden keine eigene Kläranlage, Industrieansiedlungen seien nur im Bereich zwischen Biebrich und Schierstein möglich und Biebrich nehme bei der Unterhaltung der Straßen für Transporte von Mainz bzw. vom Biebricher Rheinufer erhebliche finanzielle Lasten auf sich. Wiesbaden bleibt dagegen ablehnend, wohl vor allem wegen der schwierigen Finanzlage Biebrichs und dessen Industriecharakter.

1912

Von jetzt an versorgt das Wiesbadener Wasserwerk Teile von Biebrich mit.

1913

Die Amtszeit des langjährigen (seit 1883) Wiesbadener Oberbürgermeisters Carl v. Ibell, der stets ein entschiedener Gegner der Eingemeindung war, endet. Im gleichen Jahr beruft der Wiesbadener Magistrat eine Kommission zur Eingemeindungsfrage ein. Diesmal ist es Biebrich, das, finanziell leicht erholt, einer Eingemeindung zurückhaltend gegenübersteht. Der Erste Weltkrieg unterbricht die Verhandlungen. Der Krieg jedoch ändert Wiesbadens grundsätzliche Einstellung, indem er der Stadt die Nachteile einer einseitigen wirtschaftlichen Ausrichtung kraß vor Augen führt.

1917

Wiesbaden und Biebrich schließen einen Stromlieferungsvertrag, der den Biebricher Spitzenbedarf abdecken soll. Die Gasversorgung, durch die beiden unterschiedlichen Versorgungsgesellschaften von Biebrich ist und bleibt dagegen ein Zankapfel bis in die 90er Jahre.

1923

Nach wiederholten, teils durch den Ersten Weltkrieg unterbrochenen bzw. erschwerten Verhandlungen, stimmen die Stadtverordnetenversammlungen von Biebrich und Wiesbaden dem Eingemeindungsvertrag zu.

1926

Am 1. Oktober 1926 tritt der vom Preußischen Landtag verabschiedete Eingemeindungsvertrag in Kraft. Wiesbaden und Biebrich werden eine Stadt.

1945

Wiesbaden wird Hauptstadt des neu geschaffenen Bundeslandes Hessen. Dr. Georg Krücke, der frühere Wiesbadener Oberbürgermeister von 1930-33, wird von der amerikanischen Militärregierung zum ersten Oberbürgermeister der Nachkriegszeit eingesetzt.

1946

Der erste Hessische Landtag wird gewählt, er hat seinen Sitz im ehemaligen Stadtschloß der Herzöge von Nassau.

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